Dokumentation:
Cockfight - Bloody sport


Beim Anklicken eines Bildes erhalten Sie nähere Informationen.

Cockfight


Behind the Story …


Infront of the lens ...

Es ist früher Nachmittag in Pantoja, einem kleinen Ort nahe der Hauptstadt Santo Domingo. Die Männer vom Dorf versammeln sich in der Gluthitze vor der Gallera, der kleinen, runden und überdachten Arena. Lautstark und mit roten Gesichtern unterhalten sie sich, Rum oder Bier trinkend, über das bevorstehende Ereignis: Die Hahnenkämpfe, die wöchentlich an diesem Flecken, wie in vielen anderen Dörfern und Städten der Dominikanischen Republik auch, abgehalten werden.

Der Hahnenkampf kam mit den spanischen Eroberern auf die Insel Hispaniola und war schon damals eine willkommene Abwechslung für den harten Alltag der Menschen. Auch heute gehören die Hahnenkämpfe (Cockfight oder Rooster fight) zum kulturellen Leben des Landes - selbst die Zeitungen berichten über die beliebten Veranstaltungen, die ganz eigenen Riten folgen.

Cockfight Cockfight Cockfight Cockfight

Untrennbar mit dem Hahnenkampf verbunden ist das Wetten auf den Sieger. Selbst in kleinen Ortschaften werden nicht selten Gewinnsummen bis zu 1.000 US-Dollar erzielt! Kein Wunder also, wenn so manche Ehefrau darum bangt, dass ihr Mann den gesamten Monatslohn verspielt und sich die Gemüter in der Arena stark erhitzen, weil Sieg oder Niederlage so nahe beieinander liegen. Aus diesem Grund wacht am Eingang der Gallera der Dorfpolizist darüber, dass die Männer ihre Waffen abgeben. Wo sich Erregung und Spannung aufbauen, begleitet von Alkohol und Machismus, sind Pistolen und Macheten in einer bewachten Kiste besser aufgehoben.

Zur Arena gehört ein Gebäudeteil, das durch verschmiertes Blut und dem unangenehmen Geruch an ein Schlachthaus erinnert. Hier kann man sich die Hähne aus der Nähe anschauen, um sich für seinen Favoriten zu entscheiden. Außerdem werden die Tiere an diesem Ort für die Kämpfe präpariert: Oberhalb der Krallen werden bis zu sieben Zentimeter lange Sporen aus Schildplatt angebracht, die den Kontrahenten verletzen sollen. Zusätzlich sorgen die Farben der Sporen dafür, dass man die Hähne selbst im wildesten Kampf auseinanderhalten kann. Einigen Tieren werden aus optischen Gründen auch die Keulen rasiert.

In der Gallera füllen sich unterdessen die Ränge. Die teuersten Plätze für zirka zehn Dollar befinden sich natürlich in der ersten Reihe: Von dort hat der Zuschauer den besten Blick auf den im Durchmesser etwa 3-4 Meter großen Ring, der mit Sand bestreut ist und den eine halbhohe Bande umgibt. Doch auch für einen Dollar erhält man bereits Zutritt in die Arena und muss dann mit einem Sitzplatz in den oberen Etagen vorlieb nehmen.

Cockfight Cockfight Cockfight Cockfight

Sobald die ersten beiden Hähne angekündigt werden, beginnen die fast ausnahmslos männlichen Zuschauer unter lautem Geschrei ihre Wetten zu platzieren. Frauen sieht man äusserst selten beim Hahnenkampf: Der Zutritt ist ihnen zwar grundsätzlich gestattet, aber sie sind bei diesen Veranstaltungen unerwünscht und nicht gerne gesehen.

Es dauert nur wenige Sekunden, bis sich die Tiere flatternd und ungestüm aufeinanderstürzen, um sich mit den Krallen und Schnäbeln zu bearbeiten. Die Aggression ist nicht angezüchtet - Hähne haben ein sehr ausgeprägtes Revierverhalten. Spezielle Fütterungsmethoden stärken zusätzlich Kraft und Ausdauer der Tiere.

Cockfight Cockfight Cockfight Cockfight

Während des Kampfes, der in der Regel fünf bis zehn Minuten dauert und nicht selten für einen der beiden Hähne tödlich endet, entsteht auf den Rängen ein wildes und lautes Durcheinander. Die Männer schreien, um ihre Favoriten anzufeuern, während gleichzeitig durch eine scheppernde Mikrofonanlage die aktuellen Quoten durchgegeben werden. Hektisch werden Wettzettel weitergereicht, um noch in letzter Minute einen geänderten Tipp abzugeben. Beendet dann der Ringrichter das Treiben, weil eines der beiden Tiere als Verlierer feststeht, bricht seitens der Wettgewinner Jubel aus, während diejenigen, die auf den unterlegenen Hahn gesetzt haben, ihrem Ärger lautstark freien Lauf lassen.

Dann werden die nächsten beiden Hähne in den Ring getragen und das Spiel beginnt von neuem. Und während langsam die Dämmerung über den kleinen Ort aufzieht, schlurfen die ersten Männer mit gesenktem Kopf nachhause - sie werden ihren aufgebrachten Ehefrauen erklären müssen, warum sie einen Teil der Haushaltskasse beim Wetten verloren haben.

© Text Volker Gloser / Fotos Marco Becher